RAW oder JPEG oder beides?

Sunset in Thailand

Ich habe mir gerade mal wieder eine neue Kamera gegönnt. Es ist diesmal eine Fujifilm X-A5. Das ist eine kleine Systemkamera, mit der Möglichkeit die Objektive zu wechseln.

Wenn man sich nun die Bedienungsanleitung und im Vorfeld schon die Beschreibung von den Möglichkeiten durchliest, stellt man sich die Frage, ob man nun besser im (platzsparenden) JPEG Modus fotografiert oder doch lieber in RAW oder vielleicht beides?

 

Alles nur für JPEG!

Denn all die vielen Szene Modis (Landschaft, Portrait) und Filter (Sepia, SW, Velvia, usw.), die eine Kamera heute bietet, beziehen sich nur auf die JPEG Bilder, die die Kamera intern entwickelt. Sie sind für das RAW Format völlig irrelevant.

Egal welchen Modus oder Filter wir einstellen, das RAW Bild sieht immer gleich aus.

Was ist RAW? Was ist JPEG?

JPEG kennt fast jeder. Das ist das Bildformat, das alle digitalen Kameras beherrschen, egal wie teuer oder billig sie sind. Auch all die vielen Bilder, die wir im Internet, bei FB, Instagram & Co. zu sehen bekommen, sind JPEGs.

Trotzdem schwören viele Profi-Fotografen auf das RAW Format. Warum eigentlich?

RAW ist, wie der Name schon klingt, das Roh-Format, genau so, wie der Kamerasensor es gesehen hat. Würde die Kamera das Bild so ausspucken, wie es im RAW Format aussieht, wären sicher die meisten enttäuscht von ihren Bildern. Die sind nämlich meistens ziemlich blass, mit wenig Farben und oft zu hell oder zu dunkel.

RAW Bilddateien sind auch ziemlich groß und fressen daher viel Speicherplatz auf der Speicherkarte. Bei einem 20 Megapixel Sensor hat dann auch das RAW-Bild etwa 20 MB als Dateigröße.

Der Bildprozessor in der Kamera „entwickelt“ und komprimiert dieses Rohbild dann zu einem JPEG Bild. Dabei werden die Belichtung und besonders die Farben (Sättigung & Dynamik) etwas aufgepeppt, entsprechend der Vorgaben (Szene Modus) und Filtern der Kamera, mit denen man das Bild fotografiert hat.

Dazu zwei Beispiele:

Sunset in Thailand
Sonnenuntergang in Thailand. Dies ist ein von mir entwickeltes RAW Bild
Das gleiche Bild wie oben aber so, wie es die Kamera als JPEG Entwickelt hat

Spezielle Programme

Bei einem RAW Bild braucht man dafür ein spezielles Programm am Computer, das diese Bilder dann entwickelt und die Farben, Dynamik und Belichtung nach Wunsch des Fotografen anpasst.

Ich selbst benutze dafür Adobe Lightroom und Luminar. Die sind beide kostenpflichtig. Es gibt aber auch kostenlose Programme, die das können, wie z. Bsp. Darktable oder GIMP.


 

Auch die Kamera-Hersteller bieten in der Regel eigene Programme zum Auslesen, Entwickeln und umwandeln in JPEG an. Allerdings ist der Funktionsumfang dabei meistens ein bisschen eingeschränkt.

Alle Bilder sind bearbeitet

Im Internet wird oft gelästert, das das ein oder andere Bild vom Fotografen „bearbeitet“ ist und das es nie im Leben so ausgesehen hat. Aber man sollte dabei bedenken, dass eben jedes digitale Bild, das wir sehen, bearbeitet ist.

Es ist nur die Frage, wer das ursprüngliche RAW Bild bearbeitet hat: Die Kamera intern oder der Fotograf am Computer?

Also was nun? RAW oder JPEG?

Wenn wir uns nun überlegen, in welchem Modus wir fotografieren sollen, wenn die Kamera uns diese Wahlmöglichkeit gibt, dürfen wir nicht vergessen, das man auch JPEG Bilder, genau wie ein RAW Bild, nochmal bearbeiten kann.

Allerdings muss man dabei den Verlust des ein oder anderen Details in den Feinheiten des Bildes mit einkalkulieren.

Das geht sogar viel schneller, besonders an langsameren Computern, weil die Bilddateien viel kleiner sind. Wie oben bereits angedeutet, hat das RAW Bild eines 20 MP Sensors etwa 20 MB, während das entwickelte und von den Abmessungen (Pixel) her gleich große JPEG Bild wahrscheinlich nur ca. 5 MB hat.

Bei den meisten Kompaktkameras (und den meisten Handy-Kameras) ergibt sich diese Frage auch von selbst. Die können gar kein RAW Format.

Vorsichtshalber am besten beides…

Und wenn doch, sollte man sich bei den heutigen Speicherpreisen überlegen, ob man nicht vorsichtshalber einfach in beiden Formaten fotografiert.

Auch wenn man im Moment nur das JPEG Bild, zum ausdrucken und/oder ansehen verwenden will.

Wer gar nicht erst mit dem Gedanken spielt, sich mit Bildbearbeitung zu befassen, kann das RAW Format getrost vergessen und den Speicherplatz für viele tausend JPEGs freilassen.